"Das Ehrenmal der Bundeswehr

1. Ausgangslage

Seit Gründung der Bundeswehr im Jahr 1955 sind mehr als 2.600 ihrer Soldaten im Dienst ums Leben gekommen; seit 1990 haben 69 Soldaten ihr Leben im Auslandseinsatz verloren. Bei unseren Partnern und Verbündeten gehört das ehrende Gedenken an Soldaten, die für ihren Einsatz mit dem Leben bezahlt haben, zur kulturellen Identität. So finden in Paris im Dome des Invalides, dem zentralen Gedenkort, nach Todesfällen im Auslandseinsatz Gottesdienste statt. Italienische Soldaten, die ihr Leben im Einsatz verloren haben, werden alljährlich am Altare della Patria in Rom geehrt. In Deutschland gedenken Heer, Luftwaffe und Marine ihrer toten Soldaten an den Ehrenmalen der jeweiligen Teilstreitkraft in Koblenz, Fürstenfeldbruck und Laboe. Was indes bis heute fehlt, ist ein zentraler Ort, an dem in würdiger Form aller Toten der Bundeswehr gedacht werden kann.

Vor diesem Hintergrund hat Bundesminister Dr. Franz Josef Jung entschieden, am Berliner Dienstsitz des Bundesministeriums der Verteidigung auf dem Gelände des Bendlerblocks ein Ehrenmal zu errichten. Es soll am östlichen Rand der Hildebrandstraße entstehen, so dass der öffentliche Zugang grundsätzlich gewährleistet ist. Widmung, Standort und künstlerische Ausgestaltung des Ehrenmals sollen seinen nationalen Rang verdeutlichen.

2. Zielsetzung: Den Toten zur Ehre, den Lebenden zum Trost

Wie in kaum einem anderen Beruf spitzt sich in dem des Soldaten die Frage von Leben und Tod existenziell zu. Die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr sind verpflichtet, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. Die Einbindung in eine hierarchische Organisation mit klaren Über- und Unterordnungsverhältnissen, das militärisch unabdingbare Prinzip von Befehl und Gehorsam sowie eine sehr weit reichende Treuepflicht, die auch den Einsatz des eigenen Lebens verlangt, kennzeichnen den soldatischen Dienst. – Daraus erwächst die Verpflichtung der Gesellschaft, diejenigen, die im Dienst ihr Leben gelassen haben, in bleibender Erinnerung zu behalten.

Das Ehrenmal für die Toten der Bundeswehr steht in der Kontinuität des Totengedenkens der Bundeswehr. Es soll öffentliches Erinnern erlauben und zugleich individuelles Trauern und Gedenken ermöglichen. Deshalb muss es in Form und Ausgestaltung genauso wie für das militärische Zeremoniell als auch für die ganz persönliche Erinnerung geeignet sein.

Das Ehrenmal des Bundeswehr fügt sich ein in die Denkmallandschaft der näheren Umgebung und berücksichtigt die Erfordernisse der Platzarchitektur. Ein ausreichender Abstand zum Innenhof des Bendlerblocks, in dem in der Nacht vom 20. auf 21. Juli Oberst Stauffenberg nach dem fehlgeschlagenen Staatsstreich vom 20.7.1944 hingerichtet wurde, unterstreicht, dass das Ehrenmal der Bundeswehr die Bedeutung des 20. Juli für das Traditionsverständnis der Bundeswehr weder berührt noch relativiert und die Bundeswehr sich nicht nur zu ihrer eigenen Tradition bekennt, sondern sich auch bewusst in Berlin einem breiten Publikum öffnet.

Gewidmet ist das Ehrenmal allen Angehörigen der Bundeswehr, die im Dienst seit 1955 ihr Leben verloren haben. Es fällt in den Zuständigkeitsbereich des Inhabers der Befehls- und Kommandogewalt. Damit wird die Verantwortung unterstrichen, die der Bundesminister der Verteidigung für das Leben der Soldatinnen und Soldaten bzw. zivilen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Streitkräfte im Inland oder im Auslandseinsatz trägt."

Innen und Außen

Das Ehrenmal ist ganz an die Grundstücksgrenze gerückt. Das Einhalten der Sicherheitsvorschriften erfolgt am Ehrenmal selbst, indem ein wandartiges Schiebeelement entweder Straßenseite oder Paradeplatz abschließt.
Es gibt zwei verschiedene Zugangssituationen. Der einzelne Bürger betritt das Ehrenmal durch eine kleinere Öffnung, um in privater Form zu trauern. Die Wand zum Paradeplatz ist dann geschlossen. Wird die Wand verschoben, öffnet sich die Anlage mit einer großen Geste. Diese Dimension wird den offiziellen Trauerfeiern und Zeremonien gerecht. Die Öffnung korrespondiert mit den Fahnen.

Ort durch Tektonik

"Hervorbringen heißt griechisch ticto. ... Zur Wurzel des Zeitwortes tec gehört das Wort Techne, Technik. Die Griechen denken die Techne, das Hervorbringen, vom Erscheinenlassen her. Die so zu denkende Techne verbirgt sich von alters her im Tektonischen der Architektur. ...Der Wesensvollzug des Bauens ist das Errichten von Orten durch das Fügen ihrer Räume. "
M. Heidegger in "Die Kunst und der Raum"
Ein tektonisches Gerüst aus Stahlbetonfertigteilen erzeugt den Ort. Die "Cella" wird zum Ort der Trauer.

Sinn

Beim Einsatz trägt jeder Soldat eine Erkennungsmarke. Die halbe Erkennungsmarke steht für den Getöteten oder Gefallenen, für den Tod.
Halbe Marken sind aus dem Bronze"kleid" gestanzt, welches das gesamte Objekt umhüllt und somit metaphorisch als alles umfassender Tod präsent ist.

Stille - Ein Raum ohne Grenzen

Das Innere des Raumes ist schwarz: Die realen Raumgrenzen verschwimmen, dem Betrachter eröffnet sich ein entmaterialisierter Raum.
Im Tod gerät das Leben aus den Fugen. Die strenge Ordnung und tektonische Schichtung erfährt eine Irritation: die letzte Bodenplatte hat sich aus der Ordnung des restlichen Ehrenmals gelöst und aus der Bodenebene herausgeschoben. Die Kraft, mit der sich scheinbar die Platte herausgeschoben hat, steht für das Ausmaß der Gewalt oder des Unglücks, welches ein Menschenleben hat enden lassen. Die Störung der Ordnung als Metapher für das Chaos des Lebens, welches sich durch den Tod eines Menschen einstellt.
Durch die Verwerfung der Platte entsteht eine dunkle Fuge. Diese wird zur inszenierten Schnittstelle zwischen dem Diesseits und dem Jenseits.

Licht strahlt durch das Oberlicht und die Bronzehülle aus durchbrochenen Erkennungsmarken in das Innere. Ein Schattenspiel aus halben Erkennungsmarken bestimmt die "polierte" Oberfläche der Platte.
Blumen und Erinnerungsstücke können darauf abgelegt werden. Die durch die Neigung der Platte entstehende Erhöhung definiert den Ort zur Kranzablage.

Hoffnung

Beim Verlassen des Raumes geht der Besucher auf eine goldschimmernde Wand zu - Gold steht für das Übernatürliche und die daraus resultierende "Hoffnung" in allen Kulturen.
"Den Toten unserer Bundeswehr. Für Frieden, Recht und Freiheit."
Diese Inschrift dient durch ihre Positionierung auf der goldenen Wand den Angehörigen zur Hoffnung.



Wettbewerb: 1. Preis Juni 2007
Einweihung: September 2009

Architekten:
Prof. Andreas Meck, meck architekten
Mitarbeit:
Axel Frühauf, Francesca Fornasier

Beratung:
Militärische Fragen: Hanns-Martin Römisch, Architekt
Metallgestaltung: Matthias Larasser
Statik: Dr. Kurt Stepan, Sailer Stepan und Partner GmbH

Fotos (S. 1, 5-9):
Florian Holzherr, München



 

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Ehrenmal der Bundeswehr, Berlin