Lern- und Werkhaus Gut Biberkor, Berg, 2026

Auf einer Anhöhe oberhalb des Starnberger Sees prägt Gut Biberkor seit nahezu tausend Jahren die umgebende Kulturlandschaft. Mit dem Einzug der Montessori-Schule im Jahr 2001 erhielt das ehemalige Klostergut eine neue Nutzung und wurde zu einem lebendigen Bildungsstandort. Mit dem Lern- und Werkhaus wird der Gutshof baulich weiterentwickelt. Als Ersatzbau für den ehemaligen Hühnerstall ergänzt der Neubau das historische Ensemble und stärkt den Lindenhof als räumliches Zentrum der Anlage.

Der Neubau fügt sich in den gewachsenen Gutshof ein. Setzung und Proportionen orientieren sich an der historischen Bebauung, auch die Materialien nehmen Bezug auf den Bestand. Zugleich schafft das Gebäude eine zeitgemäße, offene und inklusive Lernumgebung. Es vermittelt zwischen dem Lindenhof im Osten und dem westlich gelegenen Schulhof und eröffnet mit seiner durchlässigen Erdgeschosszone neue Wege und Blickbeziehungen innerhalb des Areals. Auch die kleine, durchgesteckte Eingangshalle nimmt ein Motiv der historischen Bebauung auf: die traufseitigen Wirtschaftseingänge des Gutshofes.

Im Zentrum des Entwurfs steht die Idee eines Hauses der Möglichkeiten. Statt starrer Raumzuweisungen bietet eine offene Struktur Spielraum für unterschiedliche Nutzungen und zukünftige Veränderungen: Werkstätten, Verwaltungsbereiche, Unterrichts- und Seminarräume sowie ein großzügiger Saal im Dachgeschoss lassen sich flexibel bespielen und an die sich wandelnden Anforderungen des Schul- und Akademiebetriebs anpassen. Im südlichen Kopfbau befindet sich zudem eine Betriebswohnung.

Im Werkstattbereich des Erdgeschosses wird die Offenheit besonders deutlich. Großformatige Schiebefenster öffnen die Räume zum Lindenhof und zum Schulhof. So kann der Unterricht über die Gebäudegrenzen ins Freie erweitert werden. Die Architektur unterstützt damit wichtige Prinzipien der Montessori-Pädagogik: eigenständiges Lernen, praktisches Arbeiten und gemeinschaftliches Leben.

Das Lern- und Werkhaus ist als Holzskelettbau konzipiert. Brettschichtholzstützen und -unterzüge tragen Brettsperrholzdecken, deren scheibenartige Ausbildung zugleich der Aussteifung dient. Zwei Stahlbetonkerne nehmen die vertikale Erschließung auf, steifen das Gebäude aus und sichern es gegen den Auftrieb durch das anstehende Grundwasser. Über dem zweiten Obergeschoss spannt sich ein traditioneller oberbayerischer Pfettendachstuhl, dessen großzügiger Dachraum den zentralen Veranstaltungssaal aufnimmt.

Photovoltaikanlagen, eine vollständig auf Biomasse (Holzpellets) basierende Wärmeversorgung sowie ein hocheffizienter baulicher Sonnenschutz in Verbindung mit Nachtauskühlung ergänzen das Nachhaltigkeitskonzept.

Mit dem Lern- und Werkhaus erhält Gut Biberkor einen neuen, identitätsstiftenden Baustein für den Bildungsstandort. Ein Haus, das Lernen, Arbeiten, Wohnen und Gemeinschaft unter einem Dach vereint und die Geschichte des lebendigen Gutshofes weiterschreibt.

Planungsbeginn: 2021

Fertigstellung: 2026

Architekten:
meck architekten gmbh
Axel Frühauf

Mitarbeit:
Friederike Henne (Projektleitung), Karla Laukeningkat, Theresa Michl, Stefan Zöls

Baudurchführung:
meck ingenieure gmbh

Holzbauarbeiten:
Meiberger GmbH, Lofer

Fotografie:
Florian Holzherr

Bildung und Erziehung, Gebaut